- ↔️ 16 km
- ⬆️ 950 hm
- ⬇️ 620 hm
- https://schweizmobil.ch/de/wanderland/route-3/etappe-22

Gestern hatten wir echtes Wetterglück und sind trocken angekommen. Heute gehen wir lieber auf Nummer sicher: Die Rucksäcke sind gepackt und wetterfest versiegelt. Der Start erfolgt im Trockenen – mal sehen, ob das Glück uns treu bleibt.

Unsere Tour beginnt mit einem Anstieg – hinauf zur Mittelstation des Moléson auf 1518 m ü. M. Für Freiburg ist der Moléson (2002 m ü. M.) das, was der Säntis für das Appenzell, der Pilatus für Luzern und das Dreigestirn für Bern ist: ein stolzer Berg, ein Erkennungsmerkmal.

Der Weg schlängelt sich bergauf, über breite Feldpfade, die sich durch die Landschaft ziehen. Noch immer bleibt der Regen aus – perfektes Wanderwetter, das uns mit trockenen Schuhen und guter Laune begleitet.
Am Rand eines Stalls sitzt ein Hund, ruhig und wachsam. Doch kaum haben wir die Wiese betreten, springt er auf, trabt zu uns herüber – und übernimmt kurzerhand die Führung. Von da an läuft er stets ein paar Schritte voraus, als hätte er beschlossen, unser Wanderführer zu sein. Ab und zu dreht er sich um, wirft einen prüfenden Blick zurück, als wolle er sicherstellen, dass wir noch folgen. So ziehen wir heute weiter – begleitet von einem vierbeinigen Gefährten, der uns wortlos Gesellschaft leistet.

Nach etwa zwei Kilometern, als wir an einer Kuhweide vorbeikommen, bleibt unser vierbeiniger Begleiter kurz stehen, schaut noch einmal zu uns – und dreht dann um. Vielleicht war das sein ganz persönlicher Spaziergang, heute einfach mal in Gesellschaft. Für uns war es jedenfalls mal eine unerwartet schöne Begegnung mit einem Hund.



Oben an der Mittelstation angekommen, hätten wir uns auf eine weite Aussicht gefreut – doch der Nebel hatte andere Pläne. Die Landschaft lag verborgen hinter milchigem Grau, und statt Fernblick gab es stille, fast magische Momente im Dunst. Naja, dafür ging es von nun an gemütlich bergab.


Wir machen Rast an einer Buvette und bestellen ein „Sandwich Fromage“. Was wir bekommen, ist kein Sandwich – es ist ein Käsebrett mit Brotbeilage. (Käse wird hier wirklich ernst genommen). Ich kämpfe tapfer, beisse mich durch die erste Hälfte wie ein Bergsteiger durch Neuschnee, und gebe dann auf. Die zweite Hälfte wandert in den Rucksack – vielleicht als Notration, man weiss ja nie.
Moritz hingegen? Der hat das Ding weggeatmet, als wäre es ein leichtes Häppchen. Und weil das offenbar noch nicht genug war, krönt er das Ganze mit einem Chrüter Schnaps – vermutlich zur Verdauung, vielleicht aber auch als Belohnung für seine kulinarische Heldentat. Ich sitze daneben, kaue noch auf meinem letzten Bissen und frage mich, ob Moritz heimlich aus Käse besteht.

Ein Gefühl wie im Schwarzwald macht sich breit: sanfte Wiesen, stille Wälder und diese friedlichen Pfade, die sich durch die Landschaft schlängeln. Die Luft ist klar, der Boden weich, und mit jedem Schritt nähern wir uns Les Paccots.


Kaum zu glauben, aber wahr: Auf den letzten zwei Kilometern beginnt es sanft zu nieseln. Die Regenjacken? Bleiben demonstrativ im Rucksack. Wir lassen uns nicht beirren, folgen der asphaltierten Strasse und erreichen Les Paccots – leicht durchnässt, aber mit einem Lächeln.

375 Kilometer liegen hinter mir. Morgen der Genfersee – ein Moment, der berührt – zwischen Stolz und Sehnsucht.
Noch eine Woche, noch 135 Kilometer. Ich freue mich sehr, aber ein Teil von mir will den Weg gar nicht enden lassen.



2 Antworten auf „Etappe 21: Gruyères – Les Paccots“
Eine Wucht – das triffts gut 😃
Kein Regen , das war ein Glück ,
Wie die nette Begleitung des Hundes.
Das Käsevesper eine Wucht , sowie das gute Essen am Abend.