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Alpenpanoramaweg

Etappe 24: Lausanne – Allaman

Der Hafen von Lausanne liegt hinter mir, während ich gemächlich dem Uferweg folge. Es ist früher Sonntagmorgen und die Stadt scheint langsam zu erwachen – oder vielleicht war sie nie wirklich eingeschlafen. Ich begegne einer bunten Mischung aus Menschen und Momenten: Jogger, die mir entgegenkommen oder mich mit federnden Schritten überholen, Inlineskater, dann die, die ihre Boote für einen Ausflug vorbereiten, Familien, die bereits Grillplätze reserviert haben, und ein liebevoll gedeckter Tisch, der wohl auf eine Geburtstagsfeier wartet.

Auf den Bänken sitzen Menschen in Gedanken versunken, andere werfen Körbe auf dem Basketballplatz, manche schlendern einfach nur dem Wasser entlang. Es wird gelacht und geschwiegen, diskutiert und geträumt – von Jung bis Alt, von sportlich motiviert bis sonntäglich entspannt. Ein lebendiges Panorama des Lebens.

Und mittendrin: ich. Mit Wanderstöcken im Takt, in voller Outdoor-Montur. So spaziere ich am Ufer entlang, zwischen Picknickdecken und Basketballspielern. Ich kann die Blicke fast hören: „Wer geht denn bitte in Expeditionsausrüstung am See spazieren?“ Tja – ich eben. Bereit für jedes Gelände, auch wenn es momentan nur der teils asphaltierte Uferweg ist.

Hinter mir liegt also das lebendige Treiben von Lausanne, vor mir öffnet sich ein stillerer Abschnitt: vorbei an einem Naturschutzgebiet, nach dem Ort Saint-Sulpice.

Und heute allein unterwegs – aber nicht ganz. Mein Schatten ist mit dabei, treu wie eh und je. Er sagt nichts, trägt halt auch nichts, aber läuft brav nebenher. Ohne Moritz ist es anders, klar. Doch der Weg hat seinen eigenen Rhythmus, und ich finde langsam meinen. Die Sonne scheint, die Schritte fliessen, und für den Moment reicht genau das: Ich, mein Schatten und ein bisschen Seeufer. Ich bin wieder voll drin.

Morges

Nach rund 10 Kilometer erreiche ich dann Morges.

Le Port de Morges

Ich beschliesse Pause zu machen und gönne mir den Logenplatz direkt am Wasser. Füsse ins kühle Nass, Sonne im Gesicht – was soll da schon schiefgehen? Und zack! Erst eine kleine Welle, dann eine grössere. Ich: nass. Rucksack: nass. Stöcke: nass. Schuhe und Socken: haben spontan schwimmen gelernt.

Aus der kurzen Pause wird eine Zwangsverlängerung. Ich sitze da, fünf Steine weiter hinten (diesmal Nummer sicher) und warte, bis alles wieder trocken ist. Jetzt weiss ich auch warum die Logenplätze noch frei waren…

Fast trocken gehts weiter – ich verlasse das Seeufer und folge dem kleinen Fluss Le Boiron. Die Route überrascht mich gleich mit einem Tunnel. Und genau das liebe ich: eine gute Stunde voller Abwechslung – Wurzeln, Brücken, Treppen, Tunnel – alles dabei. Der Weg wird wilder, verspielter, und ich mittendrin, mit einem breiten Grinsen und wanderfreudigen Beinen.

Le Boiron
Saint-Prex

In Saint-Prex angekommen, geht’s noch einmal ein Stück dem See entlang. Die Sonne brutzelt, das Wasser glitzert – und ich beneide die Springer, die sich mit Anlauf ins kühle Nass stürzen.

Château d‘Allman

Lausanne liegt längst hinter mir, und nach 28 Kilometern bin ich in Allaman angekommen.

Eine Antwort auf „Etappe 24: Lausanne – Allaman“

Da hast du aber alleine viel erlebt und bist dabei sehr mutig.
Moritz fehlt dir bestimmt.

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