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Alpenpanoramaweg

Etappe 26: Nyon – Genthod

Der Mont Blanc leuchtet am Horizont, das Schloss thront still über der Stadt und die Sonne schiebt sich langsam über den See. Ich weiss, dass ich heute laufen werde. Und ich weiss, dass ich heute Nacht gut schlafen werde. Aber zum ersten Mal weiss ich nicht, wie weit ich gehen werde. Und ich habe keine Ahnung, wo ich am Ende schlafen werde. Kein Plan, kein Ziel – nur der Weg. Mit diesem Kribbeln im Bauch starte ich meine vorletzte Etappe.

Kaum bin ich losgelaufen, tauche ich in ein kleines Wäldchen ein. Die Stadt liegt schon hinter mir, doch das Leben begleitet mich weiter: Spaziergänger kreuzen meinen Weg, ihre Hunde jagen durch den Wald.

Wappen Céligny, Kanton Genf

Ich bleibe stehen. Für einen Moment frage ich mich: „Bin ich jetzt etwa schon in Genf?“ Ein schneller Blick auf die Karte bestätigt es – tatsächlich, hier verläuft die Kantonsgrenze. Zehn Kantone liegen hinter mir, und nun beginnt der letzte: Genf. Doch das Wappen, das mich hier begrüsst, gehört nicht dem Kanton, sondern der Gemeinde Céligny.

Wenn du nochmal die Kantone wissen möchtest, klick hier…
  • St. Gallen (SG)
  • Appenzell Ausserrhoden (AR)
  • Appenzell Innerrhoden (AI)
  • Glarus (GL)
  • Schwyz (SZ)
  • Zug (ZG)
  • Luzern (LU)
  • Bern (BE)
  • Freiburg (FR)
  • Waadt (VD)
  • Genf (GE)

Ein unscheinbarer Moment, und doch ein bedeutender: Ich stehe nun direkt an der Grenze zu Frankreich. Der Weg hat mich bis hierher getragen – so nah, dass ein Schritt genügt, um in ein anderes Land zu treten.

Und dann fühlt sich jeder Schritt wie doppelt so schwer an. Gedanken wie „Ich mag nicht mehr“ oder „Es nervt“ kommen und gehen. Der Weg ist gerade, asphaltiert und führt durch Felder, die sich endlos ziehen. Ein Kampf gegen die Monotonie und meine schweren Füsse.

Nach 15 Kilometern: endlich La Versoix. Hinter Chavannes-des-Bois erreiche ich also den Fluss, der sich still durch die Landschaft schlängelt. Ich gönne mir eine Pause – die Füsse ins Wasser, zur Abkühlung. Doch kaum eingetaucht, ziehe ich sie blitzschnell wieder heraus: Das Wasser ist eisig, kaum auszuhalten.

La Versoix begleitet mich nun ein Stück – mal ruhig, mal wild. Er bildet stellenweise die Grenze zu Frankreich und mündet später in den Genfersee. Ein schöner Begleiter auf meiner vorletzten Etappe. Meine schweren Gedanken von eben sind mit ihm weggeflossen.

Der Genfersee ist längst aus meinem Blick verschwunden, auch Genf liegt irgendwo hinter den Hügeln. Jetzt zählt nur noch der Moment, der Rhythmus des Wassers und meiner Schritte und Wanderstöcke. Ich will ankommen.

Der Wald ist der Ort, wo die Seele atmen kann.

Peter Wohlleben

Nach weiteren zehn Kilometern beende ich dann meine heutige Etappe. Ich buche ein Hotel am Genfer Flughafen und nehme den direkten Bus dorthin. Über mir ziehen die Flugzeuge ihre Bahnen – tief, laut, fast greifbar. Ich bin also angekommen, aber noch nicht ganz da.

ibis budget Genève Palexpo Aéroport

(Genf wartet auf mich morgen – deshalb schlafe ich heute noch nicht dort, das wär irgendwie komisch gewesen. Das Ziel soll sich wie ein Ziel anfühlen.)

Falafel Bowl

Nach 26 Tagen, in denen ich mich durch die Speisekarten der Schweiz geschlemmt habe – von knusprigem Rösti über cremiges Fondue bis hin zum ehrlichen Charme der Dönerbude nebenan – freue ich mich nun auf das, was in keiner Karte steht: selbstgekochtes Essen, daheim.

Morgen geht’s auf die finale Etappe – und ich bin einfach nur voller Vorfreude. Die letzten Wochen waren intensiv – in alle Richtungen.

Jetzt noch ein letzter Schritt, dann heissts: Füsse hoch und Erinnerungen sortieren.

2 Antworten auf „Etappe 26: Nyon – Genthod“

Im Wald kann Kraft gesammelt werden.
In der Ruhe liegt die Kraft.
Bald ist die weite Wanderung a.m Ende und die Erinnerung daran bleibt.
Eine schöne Erinnerung.

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