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Alpenpanoramaweg

Etappe 27: Genthod – Genf

Kaum habe ich Genthod hinter mir gelassen, öffnet sich erneut die Aussicht auf den Genfersee – ein Anblick, der nie langweilig wird. Die Luft ist heute schwer und feucht, fast tropisch. So komme ich, obwohl der Weg kaum Steigung bietet, erstaunlich schnell ins Schwitzen.

Die letzte Etappe führt mich mitten durch die Zivilisation: Links rauschen die Züge über die Bahngleise, rechts surrt ein kleines Elektrizitätswerk vor sich hin. Und ich? Eingezäunt dazwischen, wie auf einem gut bewachten Pfad durch die Techniklandschaft. Verlaufen ist hier definitiv keine Option – der Weg ist klar, auch wenn die Romantik der Natur kurz Pause macht.

Und gerade als ich dachte, dass es so weiter geht, öffnet sich der Weg überraschend in einen kleinen Waldabschnitt. Die Geräusche der Züge verstummen, das Summen der Technik bleibt zurück – und ich bin wieder umgeben von Bäumen und Vogelstimmen. Ein kurzer, aber wohltuender Kontrast, der mich daran erinnert, wie schnell sich die Kulisse ändern kann.

Le Sablier Du Millénium

Auf meinem Weg passiere ich diese Skulptur – eine Sanduhr. Irgendetwas an ihr berührt mich. Vielleicht ist es die stille Symbolik, die mich an meine eigene Reise erinnert: die Stunden, die ich vom Bodensee bis hierher gebraucht habe, die Kilometer, die sich wie Sandkörner durch meine Schuhe geschoben haben. Ein stiller Moment, der mir zeigt, wie viel Zeit man manchmal braucht, um wirklich anzukommen.

Da ist es also – das Ortsschild von Genf. Ein unscheinbares Schild, das dennoch so viel bedeutet: Ich bin angekommen. Auf meinem Weg passiere ich die Mauern der Vereinten Nationen und den Sitz der Welthandelsorganisation – Orte, an denen täglich über globale Fragen verhandelt wird. Genf, diese kleine Metropole mit so viel Einfluss.

Ich laufe vom Parc Moynier Richtung Genfersee, voller Vorfreude auf das Wahrzeichen von Genf: den Jet d’Eau. Als erstes sprudelt mir aber ein kleiner Springbrunnen entgegen. Ich muss echt schmunzeln: Der kleine Brunnen steht da wie ein Praktikant, der sich schon mal warm macht für die grosse Bühne.

Und dann, ein paar Schritte später, direkt am Ufer – da erhebt sich der wahre Jet d’Eau. Kein Vergleich. Der grosse Bruder, der sich nicht mit halben Sachen abgibt. Und ich? Ich nicke dem kleinen Brunnen nochmal zu. Gute Leistung, aber du bist halt nicht der Star des Sees.

Das ist nicht einfach ein Springbrunnen. 140 Meter hoch – das ist höher als die Freiheitsstatue inklusive Sockel. Und während andere Brunnen gemütlich plätschern, schiesst es hier mit 200 km/h in den Himmel.

Und als wäre das nicht genug, rauschen pro Sekunde 500 Liter Wasser durch die Düse. Stell dir vor: Jede Sekunde irgendwie fünf Badewannen – zack, weg, in die Luft. Jede Sekunde!

Der Jet d’Eau ist keine schlichte Deko – er ist Genfs Statement. Laut, stolz, und ja, völlig übertrieben. Aber echt geil!

Punktlandung: Nach 11 Kilometer beende ich um 11 Uhr diese letzte Etappe.

Kaum eine Viertelstunde nach meiner Ankunft beginnt es zu tröpfeln. Erst zaghaft, fast wie ein zögerliches Lächeln von oben. Dann wird der Regen stärker – nicht stürmisch, sondern weich und gleichmässig. Als würde der Himmel sich mit mir freuen. Freudentränen, vielleicht. Okay, das klingt fast zu poetisch – aber irgendwie passt’s.

So endet meine Reise fast genauso, wie sie begonnen hat: mit ein bisschen Regen. Der Kreis schliesst sich. Und ich? Ich grinse – und denke mir: schöner hätte man’s nicht planen können.

Am Bahnhof in Genf steht das letzte Schild meiner Route. Und es zeigt nur noch in eine Richtung – zurück. Genau dorthin, wo ich hergekommen bin. Kein Pfeil nach vorne, kein „weiter geht’s“.

Ich hab’s also geschafft. Nach 510 Kilometern, unzähligen Höhenmetern, bin ich einmal quer durch die Schweiz gewandert – in 27 Etappen – vom Bodensee in Rorschach bis zum Genfersee nach Genf. Für eine Strecke, die man mit dem Zug oder Auto in unter fünf Stunden zurücklegen kann, habe ich mir Zeit genommen. Viel Zeit. Und jeden Meter davon gespürt. Denn wir alle wissen:

Nur wo du zu Fuss warst, bist du auch wirklich gewesen.

Johann Wolfgang von Goethe

Socki sucht ein neues Zuhause

Nach dieser letzten Etappe und der Rückkehr nach Hause, kehre ich nicht nur mit einem Rucksack voller Erinnerungen zurück – sondern auch mit einer ganz besonderen Begleiterin: „Socki“, die seit Münsingen treu an unserer Seite war. (Ok ja, Moritz hat sie von Lausanne mit nach Hause genommen).

Jetzt ist es Zeit, dass Socki weiterzieht – und zwar zu jemandem, der sie genauso wertschätzt und vielleicht auch mal trägt. Sie ist nicht nur ein Stück Reisegeschichte, sondern auch prall gefüllt mit kulinarischen Köstlichkeiten vom Alpenpanoramaweg! Ja, ja – ich hab mir da schon was überlegt, wie ich so ne Socke schmackhaft mache!!!

Wer Lust hat, Socki ein neues Zuhause zu geben, darf gerne einen Kommentar hinterlassen. Damit landest du automatisch im Lostopf.

Die Gewinnerin oder der Gewinner wird dann hier bekanntgegeben. Ich drück die Daumen 🙂

Das ist ein Danke an alle, die sich mit mir und uns durch Höhenmeter, Blasen und diesigen Alpenpanoramen gelesen haben!

Und damit geht meine Wanderung auf dem Alpenpanoramaweg zu Ende.

Au revoir in Genf

Moritz, die Glücksfee, hat gezogen
Glückliche Gewinnerin

8 Antworten auf „Etappe 27: Genthod – Genf“

wow, 29 Etappen geschafft Respekt! Deine lebendigen Beiträge und Fotos begeistern uns. Vielen Dank, dass du uns auf dein Alpenabenteuer mitgenommen hast.
Wir sind gespannt wo die Reise für Socki weiter geht

Hab deine Zeilen von Anfang bis zum Schluss gelesen, bin froh dass ich es nicht laufen musste, dein Papa braucht immer zwei Sockis.
Tolle Leistung dein Papa

Irene, wow Glückwunsch für diese Riesen Leistung und Weltenwandlerin.
Danke für das mitnehmen auf deiner Reise. Ich habe deine Berichte geliebt. Locker, leicht mit viel Ironie.
Ich bin einfach nur begeistert und sehr berührt.
Dieses Gefühl, am Ziel angekommen und was nun? Ich kann doch gar nicht mehr ohne wandern, ohne draußen sein…
Ich wünsche dir und deiner Seele ein gutes ankommen zuhause.

🩵

Chapeau! Wirklich eine tolle Leistung, ich bin beeindruckt.

Und ich bin zwar leider erst zum Schluss auf deine Wanderung aufmerksam geworden, aber es hat viel Spass gemacht, deine Berichte zu lesen. Die einen Ecken, wo ihr gewandert seit, kenne ich auch, aber mir war vorher nicht bekannt, dass es eine solche Route quer durch die Schweiz gibt. Tönt sehr spannend.

Socki wünsche ich, dass sie ein gutes neues Zuhause findet, wo sie ihr aufregendes Leben als Wandersocke weiterführen kann.

Liebe Grüsse und bis bald wieder einmal.

Liebe Irene.. du Mutige! Lieber Moritz du Unterstützer! Und diese rauchende Socke 🤣 ICH sage Danke Danke Danke für diesen überaus interessanten und bewegenden Reisebericht… Ich habe alle deine freudigen und humorvollen aber auch nachdenklichen Stimmungen erfasst … konnte das so gut nachvollziehen… ✨✨✨
Ich freue mich dich Daheim auszuquetschen und deine gewaschene Socke zu übernehmen 💪denn ich hab auch noch ne Tour vor 🙌
Drückerle dini olde Dante Chrissi

Was für eine Leistung…. Und das Durchhaltevermögen… bravo 👍
Schapo Dafür hast du ein Orden verdient 🥇
Deine Berichte mit Bildern waren wirklich so schön zu lesen…. Man konnte sich richtig vorstellen wie es war….
Bravo Irene und Moritz

Liebe Irene , lieber Moritz ,lieber Socki,
meine allergrößte Hochachtung und mein Kompliment an euch , dass ihr diesen Alpenpanoramaweg gegangen seid.Ihr habt alles sehr gut gemacht .🥰🥰🥰
Die Berichte interessant beschrieben und mit tollen Fotos untermalt.😍😍
Socki würde ich sehr gerne kennenlernen, Irene und Moritz sind mir gut bekannt.Danke für alles ,Danke dass es euch gibt.🥰🥰🥰 Bis bald 😍😍

Liebe Irene, Moritz und Socki

Ich sag nur : Kompliment ❤️ und ihr habt es so souverän gemeistert, deine Reiseberichte sind einfach nur grandios, die Fotos wunderbar 👍 Ich habe mich auf 21 Uhr gefreut um deine neue Storry zu lesen.
Ich würde mich freuen, wenn Socki zu mir käme, denn die Wanderwoche in den Dolomiten wartet schon 😊
Danke für alles, Danke das es euch gibt
❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️

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